Restaurierung Pioneer SX-450 Receiver
In diesem Post berichte ich über die typischen Arbeiten bei der Restaurierung eines Receivers am Beispiel des Pioneer SX-450 aus den späten 1970er Jahren. Ich habe den Receiver vor einigen Monaten relativ günstig erhalten, jedoch in schlechtem Zustand. Beim Gerät war kein Netzkabel dabei - ansonsten war es äußerlich in vollständigem, aber ungepflegtem Zustand. Der Mono/Stereo Druckschalter klemmte fest und ließ sich nicht mehr in seine Ausgangsposition bewegen. Front, Skala, Drehknöpfe und Schalter waren stark verschmutzt, Furnier und Umleimer lösten sich teilweise bereits von den Seitenwangen ab, die Achse des Treble Controls war leicht verbogen. Deckel, Boden, Rückwand und Seitenteile zeigten bereits erhebliche Rostansätze. Das Gerät war an der Rückseite noch auf 220 VAC eingestellt, obwohl der Voltage Selector auch eine 240 VAC Einstellung aufweist. Der SX-450 wurde von 1976-78 hergestellt, wiegt 8,6 kg, leistet nominal 2x15W/8Ω und der Neupreis betrug seinerzeit 200 US$ bzw. 790,- DM. Die sehr erfolgreiche SX-y50 Serie wurde zwischen 1976-80 produziert und bestand aus insgesamt acht verschiedenen Modellen, wobei der SX-450 das kleinste Modell ist.
Pioneer SX Serie 1976-80: SX-450/SX-550/SX-650/SX-750/SX-850/SX-950/SX-1050/SX-1250
Nach dem Öffnen des Geräts präsentierte sich das Innenleben stark verschmutzt und extrem verstaubt - immerhin, die Endstufentransistoren waren noch im Originalzustand und alle Sicherungen waren intakt. Das Subchassis und einige Schrauben waren bereits unterschiedlich stark korrodiert - der Receiver muß über einen längeren Zeitraum in feuchter Umgebung gelagert worden sein. Auffallend war auch der sehr massive Blechdeckel, der bereits auch schon erste Anzeichen von Korrosion - in Form von kleinen Korrosionswölkchen - aufwies. Ähnlich massiv ist auch das Bodeblech ausgeführt, das überraschenderweise keine Rostspuren zeigte. Insgesamt ist der Receiver mechanisch sehr massiv und aufwändig konstruiert. Alle Konstruktions- und Formbleche sind dickwandig und sauaber entgratet, die Verbindungen untereinander erfolgen fast ausschließlich mittels metrischer Gewindeschrauben. Die sonst üblichen Selbstbohr-Blechschrauben sind hier kaum zu finden!
Da bei der ersten Sichtkontrolle keine Auffälligkeiten zu erkennen waren, habe ich den Receiver in Betrieb genommen: Radio-Empfang war gegeben und wurde auch auf die Lautsprecher ausgegeben. Skalenbeleuchtung, Power und Stereo Anzeige leuchteten nicht, alle Potis und Schalten funktionieren praktisch ohne Kratzen und ohne noise, jedoch sind einige Potis sehr schwergängig bzw. stark verharzt. Die Prüfung der Betriebsspannung ergab, dass alle Spannungen planmäßig vorhanden waren, nur die Lämpchen waren durchgebrannt. Als Kuriosum wäre noch festzuhalten, dass die 35 V Z-Diode in der Längs-Spannungsregelung irgendwann einmal defekt gworden sein muß und durch drei (!) unterschiedliche Z-Dioden ersetzt wurde. Das ist zwar nicht die feine Englische Art, aber es funktioniert! Da mit dieser Spannungsregelung einigermaßen unkritische Baugruppen versorgt werden, habe ich die drei Z-Dioden so belassen wie sie sind: never change a winning team! Sollte das jemand nachmachen wollen, so bitte beachten, dass bei einer Reihenschaltung von mehreren Z-Dioden die Gesamt-Kennlinie weniger steil verläuft als bei einer einzigen Z-Diode.
Da die 4.700 µF Siebelkos nur mehr 40-50% Restkapazität aufwiesen, habe ich sie erneuert, ebenso einige andere Elkos. Wie so oft an ältern Geräten, waren an einigen Wrap-Pins die Litzen direkt angelötet; das kommt daher, weil die Techniker vorangegangener Eingriffe zu faul waren neue Wrap-Verbindungen herzustellen oder sie das Werkzeug dazu nicht hatten. Wo möglich habe ich also die Wrap-Stifte entlötet und die zugehörigen Litzen neu aufgewrapt!
Eine Leiterbahn war von der PCB abgelöst und war bereits durch eine kurze Litze ersetzt/überbrückt worden, was durchaus in Ordnung ist und auch so belassen wurde. Dass die PCB nicht von der allerbesten Qualität ist, habe ich erfahren, als ich die Potis zu Reinigungszwecken von den PCBs ausgelötet habe. Wie üblich sind bei jedem Poti meist zwei Pins umgebogen, was beim Entlöten ein Erschwernis darstellt. Leider passiert es dann manchmal, dass sich die Lötaugen beim Zurückbiegen der Pins von der PCB ablösen. Das gleiche gilt natürlich für alle elektronischen Bauelemente, deren Pins durchwegs alle umgebogen sind!
Die Pins des Headphone Jack wurden nachgelötet, weil sich hier bereits klar kalte Lötstellen zeigten. Wie bereits erwähnt, wurden die Bass/Treble/Balance/Volume Potis ausebaut und jeweils separat gereinigt. Die SPEAKER und INPUT SELECTOR Drehschalter habe ich auf der PCB belassen, weil sie für die Reinigung recht gut zugänglich waren. Die Kontakte der vier Druckschalter wurden nach der Methode des Multi-Flush-Cleaning gereinigt. Zuvor habe ich jedoch die Blockade des Mono/Stereo Druckschalters gelöst: Durch die starke Verschmutzung im Gerät haben sich kleine Fremdkörper in der Kulisse des empfindlichen Arretier-Mechanismus abgelagert. Durch Reinigen und vorsichtiges Ausblasen konnten diese entfernt werden - der Schalter funktioniert nun wieder. Der stark verharzt Antrieb des Drehkondensators wurde zerlegt, gereinigt und geschmiert. Zuletzt habe ich noch das Aluminium Frontpaneel gereinigt und poliert. Nun wurde das Ganze wieder in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut. Beim Zusammenbau fiel mir die Glasscheibe entgegen, welche ich mit Montagekleber wieder in die Front eingeklebt habe.
Nach dem vorläufigen Zusammenbau konnte ich nun in den Testbetrieb übergehen: alle Eingänge funktionieren, der Receiver liefert einen schönen und einwandfreien Klang, die Potis und Schalter haben keinerlei Kratzen oder sonstige noise - perfekt! Die Messung des Ruhestroms zeigt, dass der Ruhestrom im linken Kanal etwas größer ist als im rechten, insgesamt aber alles innerhalb der im Service Manual angegeben Grenzen liegt. Auch der DC-Offset ist im linken Kanal höher als im rechten, aber auch hier kein Grund zur Beunruhigung. Alle Werte liegen für das Alter und die Techologie des Receivers im grünen Bereich!
Allerdings leuchtet trotz einwandfreiem Stereo-Empfang die STEREO Kontrollleucht nicht auf. Wahrscheinlich ein peripheres Problem, wie so oft! Also die üblichen Verdächtigen prüfen: Spannungsverhältnisse am Stereo-Decoder sind ok, periphere Elkos und Transistoren schauen gut aus. Trotz Prüfungen und dem Tausch eines Transistors konnte das Problem jedoch nicht behoben werden. Letzte Möglichkeit ist die Prüfung der 19 kHz Pilotfrequenz, die im VCO - Voltage Controlled Oscillator erzeugt wird: Die Pilot-Frequenz hatte sich verstellt und arbeitete nur auf ca. 18 kHz, was eindeutig zu wenig ist. Nach dem Einstellen der Pilotfrequenz auf exakt 19 kHz funktionierte auch die STEREO Kontrolleuchte wieder!
Nun habe ich den Receiver endültig zusammengebaut und noch schnell die Hauptdaten im echten Netzbetrieb gemessen:
Die maximale Leistung beträgt 22W/6,8Ω, der Bass Cotrol arbeitet bei 100 Hz mit -9,1/0/+9,3 dB, der Treble Control bei 10 kHz mit -10,3/0/+9,9 dB und die Loudness-Funktion bei 100 Hz/10 kHz mit +8,4/+2 dB. Das sind alles übliche Werte. Bei der Umschaltung auf Speaker B fiel auf, dass der rechter Kanal nicht durchgeschalten wird. Die Ursache dafür war eine kalte Lötstelle an Terminal B, welche umgehend behoben wurde.
Während all dieser technischen Angelegeheiten habe ich mich parallel dazu um die Herstellen von Echtholz-Seitenwangen bemüht. Ich habe dazu Lärchenholz verwendet, das nach der Bearbeitung (Sägen, Bohren und Schleifen) mit Holzöl behandelt wurde. Die Original-Seitenwangen waren mit eher unüblichen M3,5 Gewi-Schrauben befestigt. Da ich aber nur M4 Schrauben hatte, mußt ich die vorhandenen Gewindelöcher am Receiver noch schnell auf M4 vergrößern.






































