Hornlautsprecher Pluvia 11

Exponentialhorn E840/95 L135 mit Markaudio Pluvia 11 Treiber


Es ist nun bald 40 Jahre her, seit ich zum ersten Mal mit Hornlautsprechern in Berührung kam. Durch einen Zufall konnte ich die Abhörlautsprecher eines Innsbrucker Tonstudios günstig erwerben. Dabei handelte es sich um ein Paar vom Tischler gefertigte „Acousta 115“ mit Original Lowther Bestückung. Damals konnte ich mit den Begriffen „Exponentialhorn“ und „Lowther“ noch recht wenig anfangen. Dies sollte sich jedoch bald ändern…

Die Acousta 115 war und ist ein klassisch konstruiertes Backloaded Falthorn mit einem Lowther Breitbandlautsprecher. Sehr viele Hornlautsprecher greifen bis heute auf dieses Bauprinzip zurück. Damals kam mir der Klang dieser Lautsprecher nicht sehr überzeugend vor und ich versuchte den Sound durch Einbau anderer Treiber zu „verbessern“. Als mich auch das nicht überzeugt hat, habe ich die Acousta verkauft und mir andere Lautsprecher zugelegt. Sehr bald jedoch habe ich diesen Entschluß bereut und mir die alten Acousta wieder zurückgewünscht, was leider nicht mehr möglich war. Also habe ich in Eigenregie kurzerhand neue Hörner gebaut und mit verschiedenen Treibern bestückt. Von 1985 bis 1999 hatte ich Kühlschrank-große Exponentialhörner mit einem 20 cm Philips Breitbandlautsprecher und einem Beyma Ringradiator in Verwendung, die mich recht zufrieden stellten, ich dann aber aus unterschiedlichsten Gründen wieder abgab. Von 1993 bis 1995 hatte ich sehr schmale Isophon H510 Hörner mit je 4 Breitbändern in Betrieb, die ich ebenfalls abgab. Danach kam eine kurze aber sehr lehrreiche Phase mit geschlossenen und mit Bassreflex Boxen (Wharfdale und Alcone), die mir anfangs sehr gut gefielen, später aber doch nicht ganz zufrieden stellten. Es hat mir einfach die direkte, dynamische und trockene Tonwiedergabe gefehlt. Also wieder zurück zum Start: Im Jahr 2008 baute ich große Fostex Hörner, die mit dem sehr guten Fostex Breitbänder FE208EΣ und dem Fostex Ringradiator T90A bestückt waren. Ich hörte diese Hörner bis 2022 mit Begeisterung und mußte mich dann jedoch - bedingt durch einen weiteren Ortswechsel - leider wieder von ihnen trennen. Es hat jedoch nicht lange gedauert, als ich mich erneut für den Bau eines Fostex Horns entschieden habe. Diesmal ein etwas kleineres Horn mit dem Fostex FE168EΣ und dem Fostex FT17H als Hochtonergänzung. Ich habe das Rohgehäuse der Fostex Hörner nun so konstruiert, dass ich sie in die Wände unseres Wohnhauses integrieren konnte. Nach umfangreichen Messungen und Hörproben hat sich herausgestellt, dass der Hochtöner FT17H völlig überflüssig ist und der Breitbänder alleine am besten klingt.

Nach dem erfolgreichen Bau der Fostex FE 168EΣ hat mich vor zwei Jahren die Entwicklung und Umsetzung eines eigenständigen Horn-Designs gereizt. Es sollte sich dabei um ein optisch ansprechendes Exponentialhorn mit nicht zu großen Dimensionen und einem einzigen Breitbandlautsprecher handeln. Als Ausgangspunkt habe ich eine Mundfläche von 840 cm² gewählt. Um einen klaren und geradlinigen Gesamteindruck zu erzielen, habe ich mich für ein pyramidenförmiges Gehäuse mit nach unten öffnendem Hornkanal entschieden. Aus optischen Gründen sollte die Box auf nur drei Holzfüßen stehen. Die Gehäuse sind so konstruiert, dass sich der innenliegende Schallkanal exponentiell nach unten erweitert und bodennah in den Hörraum ausstrahlt. Damit wirken Boden und Wand als Teil der Schallführung und verbessern die akustische Ankoppelung an den Hörraum erheblich. Die Exponentialhörner sind aus MDF-Platten gefertigt und inwendig mehrfach ausgesteift, um unerwünschte Schwingungen der Gehäusewandung hintanzuhalten. Die Druckkammer hinter dem Treiber ist geometrisch unregelmäßig ausgeformt, um stehende Wellen und ungünstige Reflexionen weitgehend zu unterbinden. Damit die Lautsprecher möglichst wenig in den Hörraum hineinragen und sich gut in den Raum integrieren lassen, wurde die Tiefe auf 24 cm beschränkt. Trotz der stattlichen Höhe von 1,42 m wirken die Gehäuse mit ihrer Basisbreite von 43 cm unauffällig und elegant und lassen sich in fast jedem Wohnzimmer aufstellen. Die Abmessungen betragen H/B/T = 142/43/24 cm, die Gehäusebreite verjüngt sich von unten nach oben auf 18 cm. Jedes der beiden Gehäuse steht auf drei mit Klarlack behandelten Lärchenholzfüssen.





Als Treiber wurde der ausgezeichnete Breitbandlautsprecher Pluvia 11 von Markaudio mit 17 cm Korbdurchmesser gewählt. Markaudio ist einer der renommiertesten und innovativsten Entwickler von high-end Lautsprechern und hat sich erfolgreich auf die Herstellung von hochwertigen Breitbandlautsprechern spezialisiert. Das Besondere am Pluvia 11 ist die sehr steife Membrane aus hochfester Magnesiumlegierung in „Vintage Gold“, die einen Frequenzgang bis über 20.000 Hz sicherstellt. Die maximal zulässige Membranauslenkung ist mit +/- 7 mm ungewöhnlich groß und garantiert damit eine druckvolle Wiedergabe tiefer Frequenzen/Bässe. Die Nennleistung des Pluvia 11 beträgt 45 W, die Maximalleistung 90 W (peak).
Die Exponentialgehäuse sind in mattem beigegrau (RAL 7006) lackiert und harmonieren hervorragend mit der „Vintage Gold“ glänzenden Metallmembrane des Pluvia 11. Wie für Exponentialhörner typisch, ist der Klang luftig, lebendig und ausgesprochen direkt. Akustische Instrumente und Stimmen werden natürlich wiedergegeben, die Bässe werden sehr trocken abgestrahlt. Ist die optimale Hörposition einmal gefunden, so stellt sich eine unglaublich räumliche Abbildung und Staffelung des Klangbildes ein. Besonders bei höherer Lautstärke können die Boxen überzeugen: Die Musik ist dann nicht nur zu hören, sondern bei kräftigen Bassschlägen auch deutlich zu spüren! Die Boxen geben die Musik mit großer Dynamik sehr luftig wieder ohne hörbar zu verzerren. Selbst bei sehr hohen Schallpegeln bewegt sich die Membrane nur wenig. Damit können die Boxen trotz geringer Nennleistung von 45 W durchaus als pegelfest bezeichnet werden. Dank des hohen Wirkungsgrades der Exponentialhörner, können selbst bei geringen Verstärkerleistungen noch große Lautstärken erzielt werden.











Das Klangerlebnis von Exponentialhörnern unterscheidet sich von gängigen Prinzipien wie zB Bassreflex oder geschlossenen Boxen deutlich. Aus physikalischen Gründen kann mit einem mittelgroßen Exponentialhorn kein so tiefer Bass wie zB mit einer Bassreflex Box erzielt werden; die Dynamik ist jedoch nicht zu überbieten und kann von keinem anderen Lautsprecher übertroffen werden. Durch den hohen Wirkungsgrad und der guten Pegelfestigkeit können mit Exponentialhörnern – bei vergleichsweise geringen Verstärkerleistungen - große Schallpegel bei geringen Verzerrungen erzielt werden. Die gleichzeitig luftige und direkte Wiedergabe von Musik machen den Reiz eines Exponentialhorns aus.
Aus Platzmangel habe ich die Hörner vor einem Jahr nach Wien verkauft. Mich freut es sehr, dass die neuen Besitzer damit sehr glücklich sind und ich nun wieder mehr Raum für neue Ideen habe…

Kommentare