Accuphase E-303

 Restaurierung Accuphase E-303 Vollverstärker

Es war einmal ein Accuphase E-303 Vollverstärker, der lebte mit seinem Besitzer glücklich und zufrieden viele Jahre lang in harmonischer Eintracht zusammmen. Sie spielten gemeinsam Musik und erfreuten sich ihres Lebens so gut es ging. Doch eines Tages wurde diese Harmonie durch den Ausbruch eines Zimmerbrandes gestört. Glücklicherweise sind keine Personen zu Schaden gekommen. Der arme Accuphase jedoch wurde jedoch von der Hitze des Feuers so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass er seine Funktion einstellte und sich der Besitzer schweren Herzens von ihm trennen musste. Doch bald fand sich ein neuer Besitzer, der ihn wieder soweit aufpäppelte, dass zumindes die Endstufe wieder funktionierte. Nun spielte der Accuphase 10 Jahre lang nur mit der Endstufe. Aber als der zweite Besitzer beschloss das Land zu verlassen, nahm er den Accuphase nicht mit, sondern überließ ihn einem Freund, bei dem er weitere 10 Jahre ein dunkles Dasein im Keller fristete und langsam in Vergessenheit geriet. Da auch ich diesen Freund sehr gut kannte, kamen wir zufällig über den Accuphase zu sprechen, und so ergab es sich, dass er mir den Verstärker überließ. So übernahm ich nun den Accuphase E-303 in kläglichem Zustand und begann mit den umfangreichen Restaurierungsarbeiten, von denen ich hier berichten will.

Der E-303 war seinerzeit der größte und leistungsstärkste Vollverstärker den Accuphase in den Jahren 1978-80 herausbrachte. Er wog beachtliche 20 kg und leistete mit seinen insgesamt acht Power-MOSFETs 2 x 130 W an 8 Ω. Der Neupreis lag damals bei 3.000,- DM.


Ich habe den Verstärker in sehr schlechtem und unvollständigem Zustand übernommen. Die Stellfüße waren nicht vorhanden, der Deckel nicht verschraubt, der Betätigungsschieber des Balance-Reglers fehlte, viele Befestigungsschrauben fehlten, die Knöpfe aller Druckschalter waren nicht mehr vorhanden (wahrscheinlich verbrannt oder geschmolzen), die Cinch-Buchsen an der Rückseite waren durch das Feuer deformiert und unbrauchbar, die Halterungsschiene des Power Supply Boards fehlte, das Trafogehäuse und andere interne Schirmbleche waren verrostet, die Beschriftung am Frontpaneel war kaum mehr leserlich und die innere Verkabelung, die PCBs und viele elektronische Bauteile waren mit einer hartnäckigen Ruß- und Fettschicht überzogen. Überraschenderweise waren die VU-Meter in sehr sauberem und gutem Zustand; die dürfte der zweite Besitzer nach dem Brand durch neue ersetzt haben.













Nachdem ich mir einen Überblick über den Grad der Verwüstung verschafft und alle losen Teile und Fremdkörper aus dem Gehäuse entfernt habe, habe ich den Verstärker vorsichtig in Betrieb genommen.
Und siehe da: Der Accuphase ließ sich einschalten und alle Betriebsspannungen waren planmäßig vorhanden! Das ist schon mal ein sehr gutes Zeichen! Das linke VU-Meter war unbeleuchtet, das rechte zeigte im Leerlauf 0,01 W Leistung an, der Netzschalter war so stark verharzt, dass er die ON-Position nur sehr unwillig verließ und beide Lautsprecher-Schutz-Relais haben angezogen. Bei Einspeisung eines Testsignals in den AUX Eingang konnte jedoch kein entsprechendes Signal an den Lautsprecherklemmen gemessen werden. Der Signalweg war also irgendwo unterbrochen! 
Nun habe ich das Testsignal direkt in den MAIN IN Eingang der Endstufe eingespeist und konnte erfreulicherweise feststellen, dass die Endstufe in Ordnung war. Die Verstärkung der Endstufe betrug korrekterweise 27 dB, der Pegelunterschied zwischen beiden Kanälen betrug lediglich 0,6-0,9 dB. Der Speaker Selector funktionierte, es konnten alle LS-Terminals angesteuert werden. Aber etwas stimmte trotzdem nicht: Bei Signaleinspeisung in MAIN IN war aus der Endstufen-Hardware zwischen 1,0 und 5,0 kHz ein mechanisches Summen/Pfeifen zu hören, das eindeutig mit der Frequenz und der Leistung korrespondierte. Ich ließ das vorerst außen vor und konzentrierte mich auf die Vorstufe, die an den PRE OUT Buchsen leider kein Ausgangssignal lieferte. Da die Endstufe mit ihren vier Power-MOSFETs je Kanal jedoch grundsätzlich funktionierte, beschloß ich den Verstärker in seine Einzelteile zu zerlegen und alles einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Die Vorstufe kann dann immer noch später repariert werden.









Nach und teilweise auch schon während der Reinigung habe ich alle verdächtigen Elkos ausgetauscht und auch alle Trimm-Potis gegen neue ersetzt. Die großen 20.000 µF Siebelkos waren noch in erstaunlich gutem Zustand, sodass ich sie nicht gegen neue ersetzt habe. Nachdem nun alles gereinigt war, habe ich die Vorstufe fliegend verdrahtet und erneut in Betrieb genommen. 








Die Prüfung der Vorstufe hat ergeben, dass die beiden FUJITSU Reed-Relais, die die Signalverbindung zwischen PRE OUT und MAIN IN herstellen, defekt waren. Leider sind diese Reed-Relais nicht mehr verfügbar, auch keine NOS waren aufzutreiben. Also habe ich mich auf die Suche nach Ersatztypen gemacht und geeignete Relais der Firma MEDER verwendet. Leider ist hier die Pin-Belegung nicht gleich wie bei den Original FUJITSU Reeds, sodass hier neue Bohrungen in der Platine zur Aufnahme der neuen Reed-Relais und eine ergänzende Verdrahtung erforderlich wurden. 

PCB der Reed-Relais vor und nach der Reinigung

Original FUJITSU Reed-Relais

MEDER Ersatz Reed-Relais


Die weiteren Schritte waren Ausbau und Reinigung der Endstufen MOSFETs samt Kühlkörper. Im Anschluß daran habe ich die MOSFETs mit frischer Wärmeleitpaste und neuen Glimmerscheiben wieder an die Kühlkörper und die PCB montiert.




Da sämtliche Cinch-Buchsen durch die Hitzeeinwirkung stark deformiert waren habe ich sie gegen neue Buchsen ersetzt. Ebenso habe ich das alte LS-Terminal gegen neue Bananenbuchsen ersetzt. Und weil der Voltage Selector in sehr beengten Platzverhältnissen untergebracht war, habe ich ihn vollständig entfernt und den mächtigen Netztrafo fest auf 240 V verkabelt. Das Trafogehäuse wurde abgeschliffen und schwarz lackiert. Ebenso bin ich mit den meisten verrosteten Blechen im Inneren verfahren. Um die Lichtreflexion hinter den beiden VU-Metern zu verbessern, habe ich die Lampengehäuse weiß lackiert. Viele vom Power Supply abgehende Kabelstränge wurden erneuert und auch mit neuen Kontaktschuhen versehen. Der Accuphase E-303 steht nun auch auf vier massiven Aluminiumfüßen. 













Als vorläufig letzte Maßnahme habe ich die Beleuchtung der VU-Meter auf LED umgestellt. Um eine möglichst hohe Lichtstreuung im Lampengehäuse zu erzielen, habe ich drei extra-helle weiße LED verwendet, deren Köpfe ich leicht konvex mit dem Dremel abgeschliffen habe. Dadurch wurde der Effekt einer Zerstreuungslinse erzielt. Zuvor jedoch, habe ich einige Experimente mit verschiedenen LEDs und Kopfformen durchgeführt. Zur Spannungsversorgung der LEDs habe ich schnell eine kleine Platine gestrickt, die noch neben dem Lampengehäuse Platz gefunden hat.




Nachdem nun alles wieder in ordentlichem Zustand zusammengebaut wurde, konnte ich den Verstärker provisorisch in Betrieb nehmen und testen, allerdings noch ohne Druckschalter, da diese ja verbrannt waren ...





Fortsetzung folgt....