Reparatur Yamaha CR-220 Receiver
Heute ein Kurzbericht zur Reparatur eines Yamaha Stereo Receivers CR-220, der zwischen 1978-79 hergestellt wurde, 7,6 kg schwer ist und eine Leistung von 2 x 15 W an 8 Ω erreicht. Der vorliegende Receiver war seinerzeit sowohl in schwarz als auch in für diese Zeit typischem Silberlook erhältlich - der Neupreis lag bei 600,- DM.
Der Yamaha Receiver CR-220 ist Teil der CR-Serie, die in den 1970er Jahren die legendäre Reputation Yamaha´s für klaren Sound und robuste Ausführung begründete. Der CR-220 ist ein sehr zuverlässiger Mittelklasse Receiver aus dem Jahr 1978 mit sehr guter Verarbeitungsqualität, solidem technischen Aufbau und gutem Klang. Besonders das Design mit den ausgewogen positionierten Knöpfen und Schaltern, der großen FM/AM Skala und der kleinen Signal Anzeige machen ihn heute noch zu einem interessanten Sammlerstück. Sämtliche Knöpfe und Schalter sind aus massivem Aluminium, die große Frequenzband-Skala ist hinter Echtglas montiert. Insgesamt ist der Receiver sehr solide und servicefreundlich aufgebaut! Der CR-220 ist der kleinste aus der Serie die von 1977-80 produziert wurde (CR-220/CR-420/CR-620/CR-820/CR-1020/CR-2020/CR-3020). Die Leistungen rangieren von 2x15W/8Ω (CR-220) bis 2x170 W/8Ω (CR-3020).
Vom Vorbesitzer hieß es, der Receiver "funktioniert grundsätzlich, nur der Lautstärkeregler hat Kontaktprobleme und kratzt teilweise/unregelmäßig“.
Der Receiver war äußerlich ziemlich verschmutzt, sonst jedoch intakt und ohne erkennbare Mängel. Eine seitlich angeordnete Schraube zur Befestigung des Gehäusedeckels war so stark "vernudelt", dass sie nur mit Spezialwerkzeug geöffnet werden konnte. Der Deckel ist recht schwer und massiv und ist zudem noch gut erhalten, ohne Kratzer und häßliche Flecken. Der Voltage Selector weist vielfältige Einstellmöglichkeiten auf (110/120/130/220/230/240 VAC) und war auf 220 VAC eingestellt. Ich habe ihn für die weitere Untersuchung gleich auf 230 VAC umgestellt.
Nach Abnahme des Deckels fielen auf der inneren Deckeloberseite sofort zwei dunkelbraune Flecken unmittelbar über den Siebelkos und einem Vorwiderstand auf. Also muß es hier heiß hergegangen sein! Einer der beiden großen Siebelkos (4.700µF/50V/85°C) zeigte an der Oberseite bereits erheblichen Elektrolytaustritt, sodaß ich ihn sofort gegen einen neuen Elko (4.700µF/63V/105°C) ausgetauscht habe. Auch einen verdächtigen 1.000 µF Nicichon Elko im Bereich der braunen Flecken habe ich sofort ersetzt.


Das übrige Innenleben war extrem stark vertaubt. Die Staubschicht war so dicht, dass selbst die Typenbezeichnung der Endstufentransistoren nicht mehr zu erkennen war!
stark verstaubte Endstufentransistoren
Erst nach einer Grobreinigung der PCB war nun zu erkennen, dass die Endstufentransistoren noch die Original Sanken Typen 2SA771 (890) und 2SC1986 (88Y) sind. Die Prüfung der Endstufentransistoren ergab, dass alle vier in Ordnung waren! Anstelle der 400 mA Sekundär-Sicherung war eine 500 mA Sicherung eingesetzt; aber zumindest war sie noch intakt! Weites fiel der überdurchschnittlich gut und stabil verarbeitet Gehäuseaufbau aus durchwegs dicken Blechen auf. Der Receiver ist mechanisch sehr gut und besser als manch anderes Gerät verarbeitet!
Nachdem ich mich vergewissert habe, dass keine groben Fehler vorlagen, habe ich den Receiver vorsichtig in Betrieb genommen. Immerhin, der Receiver funktioniert grundsätzlich. Die Drehregler für Volume, Balance und insbesondere Loudness wiesen sehr starke Kratzeräusche auf; Bass und Treble hingegen zeigten kaum Kratzgeräusche. Die roten Power und Stereo LED leuchteten auf und auch alle Eingänge - inkl. Phono Eingang - schienen zu funktionieren. Die Beleuchtung des Pointers und des FM Tuning/AM Signal Meters funktionierten nicht. Die Anzeigeskala selbst besitz keine Beleuchtung, sie wird nur von dem grünen Poniterlicht beleuchtet und damit gut in Szene gesetzt! Sämtliche Leuchtmittel bestehen aus sehr seltenen und ungewöhnlichen 14V/80mA Glühlämpchen, die praktisch kaum mehr zu bekommen sind. Achtung: Alle Beleuchtungen des Frontpaneels sind in Serie geschaltet! Dies muß unbedingt beachtet werden, wenn dafür unterschiedliche Leuchtmittel eingesetzt werden sollen.
Alle Betriebsspannungen waren ordnungsgemäß vorhanden, die Kollektorspannung der Leistungstransistoren betrug je Kanal ± 22 V und war damit ebenfalls in Ordnung. Der DC-Offset bewegte sich im unteren einstelligen Millivolt Bereich. Nur der Ruhestrom der linken Endstufe war mit 70 mV mehr als doppelt so hoch wie der des rechten Kanals; dies konnte jedoch rasch einigermaßen korrrekt auf 33 mV je Kanal eingestellt werden.
Trotz umfangreicher Recherche war leider kein vernünftiges Service Manual aufzutreiben. Überhaupt scheint im Internet nur ein einziges Service Manual verfügbar zu sein, das leider sehr schlecht leserlich ist und zudem keine konkreten Angaben zur Ruhetromeinstellung macht. Im Internet sind diverse Angaben zur Ruhestromeinstellung von 10 bis 33 mV zu finden, wobei mir 33 mV am plausibelsten erscheinen. Die extrem geringe Auflösung des Schaltplans hat zur Folge, dass einige Bauelemente nicht leserlich sind, was das Systemverständnis nicht gerade fördert und allfälliche Fehlersuchen und Reparaturmaßnahmen zudem erschwert.
Nun kam das übliche: Reinigen Frontpaneel/Chassis/Knöpfe/Skala/PCB, Ausbau/Reinigen/Einbau Potentiometer und Schalter, Reinigen Drehkondensator, Schwungrad, etc

Nun habe ich ich mich um die Pointer-Beleuchtung gekümmert. Die alte Beleuchtung war ein Glühlämpchen das mit einem grünen Gummistrumpf überzogen war. Die neue Beleuchtung sollte aus LED bestehen. Dazu habe ich zwei grüne 2 x 5 mm LEDs mit einem transparenten Plexiglasscheibchen verklebt, die LED-Beinchen abgewinkelt und mit Schrumpfschlauch überzogen und das ganze Leuchtkonstrukt in den Pointerträger eingebaut - fertig ist der neue LED Pointer!
alte Pointerbeleuchtung
zwei grüne 2 x 5 mm LED zusammenkleben...
...und in den Pointerträger einpassen
fertiger LED Pointer
Ähnlich bin ich mit der FM Tuning/AM Signal Meter Beleuchtung verfahren. Dazu habe ich allerdings zwei grüne 5 mm LEDs verwendet, die ich in einen passenden LED-Halter eingebaut und dann das ganze unter das Zeigerinstrument geklebt habe.
FM Tuning/AM Signal Meter Beleuchtung mit zwei grünen LEDs
Nachdem soweit alles erledigt war, habe ich den Receiver wieder zusammengebaut und einem Testbetrieb unterzogen. Alle Eingänge funktionierten, leider war nun aber kein Tunerbetrieb
mehr möglich! Das Radiosignal kam nur ganz schwach an den Lautsprechern an, auch der Stereo
Indicator leuchtete nicht mehr auf. Da mußte irgendwas in der Tuner Section fehlerhaft sein. Die Spannungsversorgung des PLL Multiplex Stereo Decoder (LA3350) war in Ordnung. Bei Behandlung aller Transistoren im Tunerbereich mit Kältespray konnte der Transistor TR202 (2SA844, PNP) „Muting Level Detector“ als defekt identifiziert werden. Also habe ich den Transistor ausgebaut, geprüft (er wies bereits einen Leckstrom von ca. 25 µA auf) und gegen einen geeigneten Transistor ersetzt. Dieser Transistor steuert das Muting-Gate an, welches seinerseits bei schwachen Sendern den Eingang des Stereo Decoders gegen Masse kurzschließt. Nun funktionierte der Tuner wieder - allerdings nur kurzzeitig! Da die Anzahl der Transistoren im Tuner überschaubar war die meisten Transistoren vom gleichen Typ, habe ich kurzerhand alle Transistoren (ZF-Verstärker, Muting Gate, Muting Level Detector und Pre-Amp) erneuert. Und siehe da: Der Tuner Betrieb funktioniert, es ließen sich einige Sender empfangen. Doch schon einige Stunden später war der Tuner wieder tot. Nach längerer Suche hat sich herausgestellt, dass der am Vortag erneuerte Transistor TR202 („Muting Level Detector“) erneut defekt war. So etwas ist mir noch nie passiert! Also ausgebaut, erneuert und Probebetrieb. Nun funktioniert alles wieder .....

Nach dem Zusammenbau des Receivers habe ich routinemäßig noch eine Leistungsmessung durchgeführt und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass die unteren Halbwellen des Ausgangssignals konsequent bei -3,8 V abgeschnitten werden. Dies ist mir bei Probehören in der Werksattt nicht aufgefallen, da ich hier meist bei nur geringer Lautstärke höre (eine Spannung von +/- 3,8 V Spitze-Spitze entspricht einer Leistung von 1 W/8 Ω, was schon recht laut sein kann).
negative Halbwellen des linken und rechten Kanals mit -3,8 V begrenzt
Das interessante bei diesem Fehlerbild ist, dass davon beide Kanäle, also der linke und der rechte Kanal, gleichermaßen betroffen sind. Dies deutet sehr häufig auf ein Fehlverhalten in einer Baugruppe hin, die beide Kanäle betrifft, wie zB Spannungsversorgung. So war es dann auch, nur etwas komlizierter! Die Endstufentransistoren samt Treiber werden vollkommen korrekt und stabil mit +/- 25 V versorgt und betrieben. Dazu ist eine eigene Sekundärwicklung mit Mittenanzapfung des Netztransformators vorhanden. Der Eingangsdifferenzverstärker samt nachfolgender Spannungsverstärkung (VAS Voltage Amplification Stage) und Bias-Spreader werden unabhängig von den Endstufentransistoren mit einer höheren Spannung versorgt. Die symmetrische Spannungsversorgung dieses Eingangsverstärkers wird aus einer separaten Sekundärwicklung des Netztransformators mit einer einfachen Längsregelung im positiven Spannungszweig betrieben. Die für den Verstärkerbetrieb erforderliche galvanische Verbindung zur Endstufe wird mit einer weiteren Längsregelung realisiert, die im negativen Spannungszweig sitzt und mit der Sekundärwicklung der Endstufe verbunden ist. Ein unübliches, aber machbares Konzept! Messungen haben gezeigt, dass die positive Spannungsversorgung der Eingangsstufe bei ca. +26 V liegt, die negative hingegen nur bei -5,6 V. Damit kann die VAS die Endstufe nur bis minimal -5,6 V ansteuern, was abzüglich der beiden Basis-Emitter-Strecken der Darlington-Endstufen-Transistoren etwa in -3,8 V resultiert. Durch Anpassung eines Regelwiderstands in der negativen Längsregelung konnte die negative Versorgungsspannung auf - 24 V abgesenkt werden. Damit ist nun eine unverzerrte Wiedergabe bis maximal 2 x 20 W/6,8 Ω möglich.
Trotz der geringen nominalen Leistung von 2 x 15 W/8 Ω klingt der Receiver erstaunlich erwachsen und mit ausreichend Leistungsreserven (zumindest an Lautsprechern mit hohem Wirkungsgrad). Im täglichen Betrieb zeigte sich jedoch, dass der Tuner relativ unempfindlich ist und nur wenige Sender stabil und sauber empfangen werden können. Also habe ich den Kern des Tuners ausgebaut und die Transistoren im Front End geprüft. Der Eingangstransistor ist ein FET (2SK55R), die beiden nachfolgenden Transistoren für die FM und AM Verstärkung sind spezielle VHF Transisitoren (2SC1342 und 2SC535). Die Prüfung des FET zeigte, dass er grundsätzlich funktionerte, aber sich unter DC-Bedingungen nicht ganz stabil verhält, was auf mögliche (elektrostatische) Einflüsse des Umfeldes zurückzuführen sein könnte. Da ich keinen passenen Ersatztypen vorrätig hatte, habe ich ihn (vorläufig) wieder eingebaut. Ein Test der beiden bipolaren Transistoren ergab, dass sie bei DC-Prüfung alle funktionieren, die Stromverstärkung bei beiden Transistoren jedoch relativ gering war (β ≈ 19-35). Ich habe sie deshalb vorsichtshalber gegen zwei passende Ersatzttypen ausgetauscht. Die Empfangsleistung hat sich nun zwar verbessert, könnte aber noch besser sein. Ich vermute, dass der Eingangs-FET schon etwas "altersschwach" ist und erneuert werden sollte. Ich werde mich demnächst darum kümmern....
Front End gereinigt mit Original-Bestückung
Front End mit altem FET (links) und zwei neuen bipolaren Transistoren (rechts)