Reparatur Teac A-X75 Vollverstärker
Der Teac A-X75 ist ein kräftiger und sehr vielseitiger Vollverstärker aus den Jahren 1987-88. Er ist 11,8 kg schwer und leistet 2 x 75 W an 8 Ω, der damalige Kaufpreis lag bei 650,- DM.
Wie ich das Gerät übernommen habe war die linke obere Ecke des Frontpaneels leicht nach hinten eingebogen (Sturz?), das Innenleben war mäßig verschmutz aber stark verstaubt, der äußere Zustand war intakt. Auf den ersten Blick war das Gerät unverbastelt, alle Feinsicherungen waren in Ordnung und an den Bauteilen und auf der Platine waren keine Anzeichen von Überhitzung zu erkennen. Auffällig an diesem Verstärker sind die sehr großen Endstufentransistoren von Toshiba, die sich alle noch im Originalzustand befinden. Anzumerken wäre weiters, dass im Gerät keine Primärsicherung vorhanden ist, jedoch weist der Netztransformator eine thermische Sicherung auf. Die Lötseite der Hauptplatine war stark von altem Flußmittel verharzt, an zwei Stellen waren Mosgummistreifen aufgeklebt, deren Entfernung sich später als sehr hartnäckig herausstellte.
Die Fehlerbeschreibung des Vorbesitzers war kurz und bündig: "Keine Tonausgabe - reparaturbedürftig".
Für die Erstbefundung habe ich den Verstärker nach einer gründlichen Sichtprüfung vorsichtig hochgefahren und festgestellt, dass die Versorgungsspannung der Endstufe mit +/- 50 V zwar planmäßig vorhanden war, aber das Lautsprecherrelais nicht anzieht. Dies könnte im Wesentlichen der Grund dafür sein, was der Vorbesitzer mit "keine Tonausgabe" gemeint hat. Die Ansteuerung des LS-Relais samt Zeitverzögerung und Schutzschaltung wird beim gegenständlichen Teac mit Darlington-Transistoren, mehreren Z-Dioden und Widerständen relativ kompliziert realisiert. Obwohl am LS-Relais die Versorgungsspannung von +38 V anliegt, zieht es nicht an. Eine einfache Funktionsprüfung der Transistoren ergab, dass diese nicht defekt sind und bei entsprechender Ansteuerung das LS-Relais sicher durchschalten. Der vorgeschaltete Zeitkondensator, welcher für die Einschaltverzögerung verantwortlich ist, war defekt und wurde ersetzt. Aber auch diese Maßnahme führte nicht zum Anziehen des LS-Relais. Bei näherer Betrachtung des Schaltungsumfelds fiel auf, dass anstelle einer Z-Diode ein 1 kΩ Widerstand in der PCB eingelötet war. Ist dies des Rätsels Lösung oder hat vielleicht doch jemand am Gerät herumgebastelt? Leider Nein! Ich vermute, dass die Z-Diode nur in älteren Geräteversionen verbaut wurde und diese später durch einen Widerstand ersetzt wurde, der im vorliegenden Fall eine ähnliche Funktion hat, nämlich die der Spannungsstabilisierung. Offensichtlich wurde durch den 1 kΩ Widerstand aber ein so stabiler Spannungsteiler erzeugt, der es dem sehr großen Pull-Up Widerstand (1 MΩ) der Zeitverzögerungsschaltung nicht erlaubt das LS-Relais durchzuschalten. Ich habe dann die Schwelle der Durchschaltspannung der Darlington-Stufe etwas herabgesetz und siehe da: Die Zeitverzögerung funktioniert und das LS-Relais zieht zeitverzögert an! Der Grund dafür ist nicht ganz klar, hängt mE aber damit zusammen, dass sich im Laufe der Zeit (ca. 40 Jahre!) die Eigenschaften der vielen Halbleiter (Z-Dioden, Dioden und Transistoren) so verändert haben, dass ein Anziehen des LS-Relais unterbunden wurde.
Obwohl das LS-Relais nun wieder planmäßig arbeitet, war dem Verstärker immer noch kein Ton zu entlocken. Die Prüfung der symmetrischen +/- 10 V Nebenspannungsversorgung für den Phono EQ, den Tone Amp und dem CD Amp hat gezeigt, dass die positive Spannungskomponente nicht vorhanden war. Die +/- 10 V werden hier durch eine lineare Regelung mit Längstransistoren und Z-Dioden erzeugt und stabilisiert. Der Filterkondensator parallel zur Z-Diode im positiven Spannungszweig war defekt und hat die Z-Diode einfach kurz geschlossen, sodass sie ihre stabilisierende Wirkung nicht entfalten konnte! So etwas passiert nicht sehr oft, hier aber doch. Also defekten Kondensator gegen einen neuen ersetzt und Verstärker erneut getestet: Nun hat das Gerät grundsätzlich funktioniert, jedoch mit den üblichen Kacksen, Aussetzern und Kratzen durch verschmutzte Schalter und Potentiometer.
Nachdem nun klar war, dass der Verstärker grundsätzlich funktioniert, wurde das Gerät vollständig auseinander genommen und gereinigt. Potentiometer und Schalter wurden mit Alkohol gereinigt, die alte Wärmeleitpaste der Leistungstransistoren ließ sich nur mit Waschbenzin entfernen, die PCB wurden mit Platinenreiniger gereinigt und dann mit Alkohol nachgespült.
Im Zuge der Generalreinigung wurden auch die meisten Elkos ausgetausch, da sich gezeigt hat, dass sehr viele ihre Nennkapazität nicht mehr aufwiesen. Die großen 10.000µF/50V Siebelkos waren noch in sehr gutem Zustand und wurden im Gerät belassen. Das LS-Relais wurde ausgebaut und die Kontakte gründlich gereinigt. Für die bessere thermische Ankoppelung der Bias-Transisitoren habe ich zwei kleine gekröpfte Bleche hergestellt, mit denen die Bias-Transistoren an den Kühlkörper nahe der Leistungstransistoren geklemmt werden. Da die LED-Kontrollleuchten am Frontpaneel schon deutlich an Leuchtkraft eingebüßt haben, wurden sie ebenfalls ersetzt. Den Primärkreis des Netztransformators habe ich mit einer 1,6 AT Feinsicherung in einem "fliegenden" Sicherungshalter zusätzlilch abgesichert.
Kühlkörper mit gekröpften Klemmblechen für Bias-Transistoren
Die leicht eingedrücke Ecke des Frontpaneels wurde gerade gebogen und mit schwarzem Schutzlack lackiert. Nach dem Zusammenbau wurde der Ruhestrom (17,5 mV) noch korrekt eingestellt und er DC-Offset gemessen, welcher sich mit -8 mV im linken Kanal und +6 mV im rechten Kanal als sehr gering präsentiert. Da der Netzschalter ursprünglich keinen Entstörkondensator aufwies, hab ich ihn abschließend mit einem 0,01µF/250V Entstörkondensator versehen.
Im Hörbetrieb überzeugt der Teac A-X75 durch seinen kräftigen Anritt. Bei relativ geringer Betätigung des Lautstärkereglers können bereits große Leistungen abgerufen werden; hier macht der MUTING (-20 dB) Schalter durchaus Sinn. Mit den Klangreglern kann weitreichend geregelt werden, d.h. der Bass kann bei 50 Hz unüblich stark um 18 dB angehoben werden, die Höhen können bei 10 kHz um 10 dB angehoben werden. Eine Besonderheit ist der Mid-Regler mit dem die Mitten bei 1 kHz um 6 dB angehoben werden können, was bei manchen Musikstücken hilfreich sein kann. Obwohl der Verstärker sehr viele Möglichkeiten und Funktionalitäten bietet, muß doch von einem Wermutstropfen berichtet werden: Bei Betätigung des CD Direct Schalters ist ein leichtes Rauschen zu vernehmen, obwohl eigentlich eher das Gegenteil der Fall sein sollte, weil damit ja das Klangregelnetzwerk und alle Filter umgangen werden. Den Grund dafür kann ich mir nicht erklären; vielleicht arbeitet der OP-Verstärker im CD-Amp nicht ganz rauschfrei... Weiters erzeugt die Betätigung des CD Direct Schalters Knacksgeräusche, welche auf Lade- und Entladevorgänge zwischengeschalteter Kondensatoren zurückzuführen ist. Der Teac A-X75 ist ein sehr massiv gebautes Gerät mit einigem Seltenheitswert!