Schnellreparatur Pioneer SA-610 Vollverstärker
Jeder der sich für HiFi-Geräte aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren interessiert kennt die "Blaue Serie" von Pioneer. Bei den Vollverstärkern gab es die "große" und die "kleine" Modellreihe. Die großen waren SA-9800, SA-8800 und SA-7800, die kleinen SA-710, SA-610 und SA-510. Der noch kleinere SA-410 hat kein Display, weshalb er nicht zur blauen Serie gerechnet wird. Hergestellt wurde die blaue Serie von 1979-1981.
Heute berichte ich über eine kleine Reparatur des SA-610 Vollverstärkers, von dem beklagt wurde, dass nur zwei Endstufentransistoren defekt wären. Der SA-610 stammt aus dem Jahr 1980, ist 6,9 kg schwer und leistet 2 x 45 W an 8 Ω. Der seinerzeitige Neupreis dürfte bei etwa 600,- DM gelegen haben.
Äußerlich war das Gerät in intaktem und vollständigem Zustand. Frontpaneel, Kabel, Drehknöpfe und Schalter waren jedoch stark und hartnäckig verschmutzt, das Innenleben war erheblich verstaubt und klebrig. Alle vier Leistungstransistoren waren noch die Originaltransistoren von NEC. Der PNP-Leistungstransistor 2SA1108 des linken Kanals war bereits mit zwei Pins von der Platine abgelötet gewesen, sein komplementärer Gegenspieler 2SC2588 (NPN) war noch angelötet. Die 1,6 A Primärsicherung war durchgebrannt.
Zuallererst habe ich die beiden Push-Pull Leistungstransistoren 2SC2588 (NPN) und 2SA1108 (PNP) des linken Kanals ausgebaut und geprüft. Der 2SA1108 war vollkommen durchlegiert (defekt), der 2SC2588 schien hingegen noch in Ordnung zu sein. Bei den beiden anderen Leistungstransistoren habe ich jeweils Basis und Kollektor von der PCB abgelötet und geprüft. Da sie beide in Ornung waren wurden sie wieder eingelötet. Um den Verstärker nun vorsichtig testen und seine Grundfunktionen überprüfen zu können, habe ich den defekten 2SA1108 durch einen geeigneten Ersatztypen ersetzt und mit fliegenden Kabeln herausgeführt. Ebenso bin ich mit dem Original 2SC2588 verfahren.
Nach dem Einschalten des Verstärkers stieg der Ruhestrom des linken Kanals nun stetig und schnell auf über 200 mV an und als Konsequenz wurden beide herausgeführten Leistungstransistoren sehr warm, weshalb ich das Gerät sofort wieder ausgeschalten habe. In der kurzen Zeit konnte ich gerade noch erkennen, dass die Power LED leuchtet und das blaue Display funktioniert. Nun habe ich die PCB im Bereich der Treiber grob gereinigt um die Treiber besser zu erkennen, welche allerdings keine Auffälligkeiten aufwiesen. Die beiden herausgeführten Leistungstransistoren wurden provisorisch mit Kühlblechen versehen und dann der Verstärker erneut eingeschaltet. Der Ruhestrom stieg nicht mehr ganz so hoch an, sank dann aber auf ein normales Maß zurück wo er sich - ebenso wie der DC-Offset - stabilisierte. Offensichtlich hat alleine die Reinigung der PCB eine Stabilisierung erwirkt! Eine weitere Erkenntnis daraus war, dass der 2SC2588 nicht defekt ist. Bei der Gelegenheit konnte ich auch gleich feststellen, dass alle Eingänge (auch Phono) funktionieren. Ebenso funktionieren alle Regler und Schalter, wenn auch sehr kratzig und mit Aussetzern.
Als nächster Schritt folgte der Ausbau und die Prüfung des LS-Relais und der Siebelkos. Da die Original Nichicon Siebelkos ihre Nennkapazität deutlich unterschritten, wurden sie durch geeignete Elkos aus meinem Lagerbestand ersetzt. Das Relais wurde zerlegt, die Kontakte gereinigt und der Kontaktwiderstand geprüft und für sehr gut befunden: Also wurde das Original Relais wieder eingebaut. Selbstverständlich wurden auch alle Schalter und Potentiometer gereinigt. Erwähnenswert wäre noch, dass es sich hier um keine ALPS Schalter handelt, sonder um sehr hochwertige Schalter mit Leichtmetall-Druckguß-Gehäusen von NOBLE. Interessant ist auch, dass auf der PCB keine Bauteilbezeichnungen aufgedruckt sind, was die Bauteilzuordnung nicht gerade erleichtert! Leztendlich wurden alle Gehäuseteile und alle PCBs gereinigt.
Nach erfolgter Reinigung wurde der Verstärker wieder zusammengebaut und zwei neue Leistungstransistoren in die linke Endstufe eingebaut. Nun erfolgte ein erneuter Test der zur vollsten Zufriedenheit verlief: alles funktioniert wie es sei soll. Die Betätigung des TONE On/Off Schalters geht leider mit relativ lautem "Knacksen" einher, was daher rührt, dass das Klangregelnetzwerk direkt in die Rückkoppelung eingebunden ist. Dies ist nicht ungewöhnlich und kann gut durch Herunterdrehen der Lautstärke unterbunden werden. Der Grund dafür ist, dass die Rückkoppelung durch Umlegen des Schalters kurzfristig unterbrochen wird und dadurch kurzfristig die maximale Verstärkung der Endstufe evoziert wird, was als "Knacksgeräusch" wahrgenommen wird.
Eine abschießende Messung des Ruhestroms und des DC-Offsets ergab nachstehende Werte, welche allesamt im grünen Bereich liegen.
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Links |
Rechts |
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DC-Offset |
-14 mV |
-20 mV |
ok |
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Ruhestrom (Soll 4-50 mV) |
33 mV |
21 mV |
ok |
