Mission Cyrus One

 Reparatur Cyrus One Vollverstärker


Heute berichte ich über die Reparatur eines echten HiFi-Klassikers, dem Cyrus One von Mission in der Ur-Version. Die erste Serie des Cyrus One wurde von Mai 1984 bis Oktober 1987 in England von der Firma Mission entwickelt und produziert. Danach folgten noch zwei weitere Serien mit einigen wenigen Änderungen bzw. Verbesserungen. Der Cyrus One ist nur 4 kg schwer und so groß wie eine flache Schuhschachtel. Von der ersten Version wurden zwischen 1984 und 1987 knapp 22.000 Exemplare produziert, die Nennleistung beträgt 2 x 25 W an 8 Ω. Der hier beschriebene Cyrus One wurde im Sep/Okt 1987 produziert und war damit einer der letzten Exemplare. Laut der aufgedruckten Seriennummer wurden nach diesem Gerät nur noch 93 weitere Exemplare hergestellt!


Der Vorbesitzer hat mir mitgeteilt, dass der Verstärker "seit Herbst 2025 defekt sei, der Strom aber fließt, alle Drehschalter leichtgängig seien aber alle Tonquellen ausgefallen sind".

Ich habe das Gerät in äußerlich intaktem und gut erhaltenem Zustand übernommen. Es waren keine nennenswerten Kratzer oder Flecken an Gehäuse oder Front zu erkennen, jedoch war die Farbe an den  Drehknöpfen stellenweise stark abgeblättert und die RCA-Eingangsbuchsen wegen ihrer liegenden Anordnung mäßig verstaubt. Das Innenleben war überraschend sauber und kaum verstaubt, beide 3,15 A Feinsicherungen waren sekundärseitig durchgebrannt. An der Unterseite des Kunststoff-Frontpaneels befindet sich eine Befestigungslasche mit drei Bohrungen, die allesamt gebrochen bzw. ausgerissen sind; das Frontpaneel kann aber trotzdem noch gut mit der Stahl-Bodenplatte verbunden werden.

Eine erste grobe Sichtung hat gezeigt, dass die Original Siebelkos mit 6.800 µF/50V bereits durch 12.000 µF/63V Nichicon „Hi-Sound“ ersetzt wurden. Da die Restkapazität noch 10.400 µF beträgt und der ESR mit 50 mΩ noch sehr gering ist, habe ich sie im Gerät belassen. Die Original-Stützkondensatoren C51-C54 mit je 100µ/50V wurden augenscheinlich ebenfalls durch erheblich größere 1.000 µF Elna ersetzt. Auch diese habe ich im Gerät belassen, weil sie noch einen guten Zustand aufweisen und auch der ESR mit ca. 70 mΩ noch sehr nieder war.

Da im Power Supply beide Sicherungen durchgebrannt waren, habe ich mir zuerst die Endstufen-transistoren näher angesehen. Es hat sich gezeigt, daß im linken Kanal ein Leistungstransistor völlig durchlegiert war und somit ersetzt werden muß. Einer der vorgeschalteten Treibertransistoren war ebenfalls defekt. Dies dürfte der Grund für das Durchbrennen der Sicherungen gewesen sein. Die Bias-Transistoren habe ich geprüft, für in Ordnung befunden und im Gerät belassen. Aus Symmetriegründen habe ich beide Leistungstransistoren im linken Kanal durch zwei idente NPN Ersatztypen ersetzt. Das ist möglich, weil die Endstufe quasi-komplementär aufgebaut ist. Der defekte Treibertransistor wurde durch einen ähnlichen Typen ersetzt.



Normalerweise würde ich an dieser Stelle den Verstärker vorsichtig in Betrieb nehmen und sehen was passiert bzw. was sonst noch zu machen ist. Diesmal habe ich gleich die LISTEN und RECORD Schalter ausgebaut, gereinigt und konserviert. Ebenso habe ich das Lautstärkepotentiometer ausgebaut und gereinigt. Die Schalterkkontakte waren extrem oxidiert und zT auch schon stark von Grünspan befallen und im Lautstärkepoti haben sich bereit weißliche Fettklumpen angesammelt! Beim Wiedereinbau der Schalter und des Potis ist mir aufgefallen, dass sich zwei Kabel vom kleinen MM/MC Umschalter abgelöst haben, welche ich auch gleich wieder angelötet habe. Die Kontakte des MM/MC Schalters habe ich von außen mit Kontaktspray gereinigt und mehrmals mit Tuner Spray nachgespült. 



Erst jetzt habe ich den Verstärker in Betrieb genommen und einen ersten Testlauf durchgeführt: Alle Eingänge funktionieren problemlos - auch der Phono Eingang! Schalter funktionieren weich und leichtgängig und die Lautstärke kann ohne Kratzen fein geregelt werden. Der Klang war sehr angenehm und kontrastreich, soweit ich das mit meinen kleinen Lautsprechern in der Werkstätte beurteilen konnte.  

Nun habe ich mir den DC-Offset und die Ruhestromeinstellung angesehen: Der DC-Offset war überraschend gering und lag im linken Kanal bei etwa -3,4 mV und im rechten bei rund +1,0 mV. Das sind sehr gute Werte und werden mit Freude akzeptiert! Die Unterschiede bzw. die Unsymmetrie zwischen linkem und rechtem Kanal sind auf  den Tausch des Treibertansistors samt der Leistungstransistoren zurückzuführen.

Da die Leuchtkraft der roten LED für die Betriebsanzeige schon ziemlich nachgelassen hat, habe ich sie gegen eine neue ausgetauscht. Im Probebetrieb hat sich gezeigt, dass der 180 Ohm Vorwiderstand bis zu 137°C warm wird, was ich als inakzeptabel einstufe. Deshalb habe ich den Vorwiderstand auf 470 Ohm erhöht, was eine erhebliche Reduktion der Erwärmung zur Folge hat und gleichzeitig aber noch eine ausreichende Leuchtkraft sicherstellt. Der Vorwiderstand wird jetz nur mehr kanpp 60°C warm. Das Problem der Überhitzung war bei Mission bekannt, weshalb die Beschaltung der LED bei der Folgeserie so geändert wurde, dass es zu keiner Überhitzung mehr kommt.




Die für die Stromversorgung der Phono-Vorstufe erforderlichen Spannungsregler werden nur ca. 45°C warm, was in Ordnung ist. Abschließend habe ich noch die Außenseite der Aluminium-Drehknöpfe abgeschliffen und schwarz lackiert.

Abschließend möcht ich noch einige Aspekte festhalten, die ich für bemerkenswert erachte:

  • Diese Serie des Cyrus One hat noch einen sehr hochwertigen Ringkerntrafo von „Holden and Fisher, Scotland“ der als brummfrei gilt; in späteren Serien wurden andere Trafos verbaut, die häufig als brummend beschrieben werden.
  • Die Leiterbahnenqualität der PCB ist teilweise sehr schlecht, an einigen Stellen haben sich bereits Lötaugen abgelöst, vorzugsweise in Bereichen in denen bereits Manipulationen vorgenommen wurden. 
  • Clipping tritt bei ca 44 Vpp auf, was einer Leistung von ca. 35 W an 6,8 Ω entspricht.
  • Da das gesamte Kühlsystem sehr schwach dimensioniert ist, habe ich den Ruhestrom auf relativ niedere Werte zwischen 9 und 10 mV eingestellt, um übermäßige Erwärmung im Betrieb zu vermeiden.
  • Offensichtlich wurde an diesem Gerät bereits ein umfangreiches Recapping durchgeführt. Im Original sind meines Wissens nach keine MKP/MKT Folienkondensatoren verwendet worden und die Elkos waren überwiegend "orange Elna", die hier durch grüne Nichicon ersetzt wurden. 




Dies war ein Kurzbeitrag einer kleinen überschaubaren Reparatur eines echten HiFi-Klassikers, der seinerzeit stark polarisiert hat. Viel haben ihn geliebt und verehrt, einige konnten mit dem speziellen Design und den bekannten Nachteilen wenig anfangen. Geblieben ist bis heute der Nimbus einer Legende! Der Cyrus One war einer der ersten Verstärker, der das britische HiFi Konzept "weniger ist mehr" auf breiter Front bekannt gemacht hat. Bis heute haben viele britische Geräte dieses minimalistische Design-Konzept erfolgreich verfolgt und weiter entwickelt (zB Naim, Rega). Ich selbst habe jahrelang mit einem ONIX OA20 begeistert Musik gehört, obwohl es nur zwei Regler gab: Volume und Source. Keine Balance, kein Loudness, keine Bass- und Höhenregler, keine Filter, kein Lautsprecherwahlschalter, etc. Der ONIX war wohl der minimalistischste Verstärker den es je gab. Aber ehrlich: braucht man mehr?

Zum Cyrus One könnte man ojektiv gesehen folgende Nachteile ins Feld führen: Billiges Kunststoffgehäuse, liegend angeordnete Cinch- und Lautsprecher-Buchsen (neigen zum Verstauben und können bei übermäßig kräftiger Betätigung die PCB beschädigen),  abblätternde Farbe der Drehregler, sehr kleines und billiges Kühlblech, Vorwiderstand der Betriebs-LED zu schwach dimensioniert (wird im Betrieb bis zu 140°C warm), schlechte PCB Qualität, filigran und billig wirkender Hebelmechanismus zur Betätigung des Power Switches. Die Umschaltung des Phono Eingangs von MM auf MC erhöht zwar die Verstärkung um den Faktor 10, berücksichtigt aber nicht den für ein MC System erforderlichen niederen Eingangswiderstand von ca. 100 Ω. 

Auf der Haben-Seite steht dafür der außergewöhnlich gute Klang der den Cyrus One zurecht bekannt gemacht hat. Zusammen mit dem sehr guten und brummfreien Holden and Fischer Ringkerntrafo steht für die meiten Anwendungen ausreichend Leistung zur Verfügung. Das Klangbild ist sehr direkt, kräftig, detailreich, transparent und liefert auch ordentlich Bass. Der Cyrus One bietet mit annähernd 35 W an 6,8 Ohm ausreichend Leistung und weist generell ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis auf. Ich habe selten einen so musikalischen Verstärker gehört - besonders beeindruckt hat mich die Dynamik im Phono MM Betrieb! Ich spiele diesen Verstärker mit großer Freude, denn er versetzt mich wieder 20-30 Jahre zurück in eine Zeit, in der ich sehr viel Musik mit meinem ONIX gehört habe. Meine heutige Meinung dazu ist, dass der Cyrus One im Vergleich zum ONIX transparenter und mit größerer Dynamik und ohne wahrnehmbares Rauschen spielt.