Kenwood KA-8150

 Renovierung Kenwood KA-8150


Mitte bis Ende der 1970er Jahre hatte Kenwood relativ viele Geräte auf dem Markt. Ebenso waren in dieser Zeit alle namhaften Hersteller sehr präsent und mit meist ebenso großer Vielfalt vertreten. Es war unbestritten die Hochblüte der goldenen HiFi-Ära. Aus dieser Zeit stammt auch der Kenwood KA-8150 Vollverstärker, den ich heute kurz vorstellen möchte. Der KA-8150 wurde von 1977-79 produziert, wog beachtliche 14,5 kg und leistete zwei mal 75 W an 8 Ω. Eine Besonderheit von Kenwood war damals, dass viele Geräte auch in den (europäischen) US-Military Markets erhältlich waren. Das war für Armeeangehörige äußerst attraktiv, weil sie die Geräte sehr günstig, weil steuerbefreit beziehen konnten. Dementsprechend viele solcher Geräte sind heute noch im Umlauf. Im Gegensatz zu den silbernen zivilen Geräten, wurden die Military-Serien allesamt in "Gunmetal" ausgeliefert. Die ansonsten baugleichen Geräte unterschieden sich also nur in der Farbe der Fronten und in der Typenbezeichnung. Die Modellbezeichnung aller Military-Geräte endete auf --50, die der zivilen Serien auf --00. Somit ist der KA-8150 "Gunmetal" baugleich mit dem KA-8100 "Silver".

Der KA-8150 (KA-8100) war damals das zweitgröße Verstärkermodell von Kenwood. Er wurde nur noch vom mächtigen KA-9100 übertroffen. Obwohl sich beide Verstärker ähnlich sind, unterscheiden sie sich doch in ein paar wesentlichen Punkten. Der augenfälligste Unterschied besteht in den zwei großen VU-Metern des KA-9100. Der KA-8100 hingegen kann mit einstellbaren Einsatzfrequenzen für Bass und Höhenregelung punkten. Ebenso gibt es einen 3-stufigen Loudness Schalter jeweils für 50 und 100 Hz. Die größten Unterschiede liegen jedoch in der Schaltungsarchitektur. Während die Endstufe des größeren KA-9100 für jeden Kanal ein eigenständiges und vollständig gekapseltes Power Module (TRIO Pure Complementary Power Amplifier TA-100 W) besitzt, ist der KA-8100 noch ganz konventionell mit diskreten Leistungstransistoren aufgebaut. Diese qualitativ hochwertigen Power Module (Vollmetall-Dickschicht-ICs) sind sehr leistungsfähig, robust und wurden damals eigens für Kenwood hergestellt. Der einzige Nachteil besteht darin, dass sie im Falle eines Defektes nicht repariert werden können und es auch keinen Original Ersatz mehr gibt....

Doch nun zu meinem KA-8150 der in erbärmlichem Zustand zu mir gekommen ist: Äußerlich stark verdreckt, einige Schalter waren bedenklich verbogen, der Gehäusedeckel war im hinteren Bereich schon angerostet, ein Drehknopf wurde so angeklebt, sodass die Entfernung nur mittels starker Erwärmung mit einem Haarfön möglich war. Die Verschmutzung hat sich im Inneren fortgesetzt, alle Platinen waren stark verstaubt und verharzt. Offensichtlich wurde das Gerät schon einmal unsanft auf die hinteren Stellfüße abgestellt oder es ist dem Vorbesitzer einfach aus der Hand geglitten und auf den Boden gefallen. Einer der hinteren Stellfüße ist dadurch zu Bruch gegangen. Ebenso war die Rückwand an der linken unteren Ecke stark eingedrückt und verbogen.



 




Immerhin hat ein erster Blick offenbart, dass sich die Endstufentransistoren noch im Originalzustand befinden (SANKEN 2SC1116 & 2SA747). Ein vorsichter Funktionstest hat gezeigt, dass der Verstärker trotz anfänglicher Unwillligkeit grundsätzlich funktioniert. Nachdem alle Schalter und Regler mehrmals betätigt wurden, konnte sich das Eingangssignal bis zu den Lautsprechern durchkämpfen! Die Performance war zwar sehr kratzig und mit häufigen Aussetzern gespickt, aber das Ergebnis war trotz allem ermutigend und die Musikwiedergabe klang nicht schlecht.
 
Zuerst habe ich mich an die Reparatur des gebrochenen rechten hinteren Standfußes gemacht. Dazu habe ich vom linken Standfuß vorerst einen Negativ-Gipsabdruck hergestellt und trocknen lassen. In den Negativabdruck habe ich dann den beschädigten Standfuß hineingesetz und den fehlenden Bereich mit Glasfaservlies ausgelegt und mit Expoxy-Harz getränkt und aushärten lassen. Nachdem das Harz ausgehärtet war, habe ich den Standfuß aus dem Gipsbett herausgeschält, gesäubert und grob in Form gebracht. Zum Schluß wurde der Standfuß mit Spachtelmasse ausgebessert, zurechgeschliffen und mit schwarzer Farbe bemalt. Das Ergebnis ist zwar nicht perfekt, erfüllt aber seine Funktion und fällt auf den ersten Blick nicht sofort als Reparaturmaßnahme auf.

  


 


Als zweiten Schritt habe ich den Voltage Selector entfernt, und die an der Rückwand angeordneten US-amerikanischen Netzauslässe (Steckdosen) von den Kabeln befreit. Um die Zugänglichkeit für weitere Renovierungsarbeiten zu verbessern und um klare Verhältnisse zu schaffen, habe ich das Gerät gleich auf 240 V AC umgestellt. Das geht meist sehr einfach, da die Primärwicklungen der Netztransormatoren häufig Zwischenabgriffe bei 120 V besitzen. Diese muß man allerdings erst identifizieren, was nicht immer so einfach ist wie es klingt. In diesem Fall war leider kein Schaltplan vorhanden, was die Sache nicht unbedingt vereinfacht hat. Die Öffnungen in der Rückwand, in der sich die Schalter des Voltage Selectors befanden, habe ich mit einem schwarzen Kunststoffplättchen verschlossen und mit weißem Stift darauf hingewiesen, dass der Netzanschluß fix auf 240 V ausgelegt ist.


Nun konnte ich mich auf die "elektronische" Renovierung konzentrieren, die im Wesentlichen aus dem großen Reinigungsprogramm bestand: nämlich alle PCBs waschen, alle Potentiometer ausbauen und reinigen und alle Schalter ausbauen, reinigen und konservieren. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch fast alle Elkos erneuert, insbesondere die 6,3 V Typen gegen neue mit höherer Spannungsfestigkeit ersetzt. Die großen Sieb-Elkos waren noch wunderbar in Ordnung und wurden deshalb im Gerät belassen. Das LS Relais wurde zwar gereinigt und geprüft, dann schlußendlich aber doch erneuert.






Die eingedrückte Ecke an der Rückwand wurde gerade gebogen und mit einem kleinen Winkeleisen verstärkt. Die Power Anzeige wurde ebenfalls mit einer neuen LED versehen. 





Schlußendlich habe ich den hinteren Bereich des rostigen Deckels noch mit schwarzer Rostschutzfarbe gestrichen. Nach Beendigung der Renovierungsarbeiten wurde noch der Ruhestrom mit 14 mV neu eingestellt. Ebenso konnte der DC-Offset auf sehr geringe Werte zwischen 0 und 2 mV eingestellt werden.


Tja, jetzt gibt´s eigentlich nur noch eins zu tun: Sich mit einer guten Tasse Tee gemütlich auf die Couch zu flaken und dem sagenhaften Klang des KA-8150 zu frönen - keep swingin´!