Technics SU-8080

 Restaurierung Technis SU-8080 Vollverstärker


Auf meinem Tisch liegt ein seltener und sehr schöner Technics SU-8080 Vollverstärker aus den Jahren 1976-79. Das Gerät wiegt eindrucksvolle 14 kg und leistet laut Datenblatt 2x72W/8Ω, der seinerzeitige NP lag bei 1.500,-DM. Die Besonderheit des Technics SU-8080 ist, dass er mit zwei Netzteilen für kanalgetrennte Stromversorgung ausgestattet ist. Für sein Alter ist er in bemerkenswert gutem Zustand, nur die Skala rund um den Volume Regler ist im ersten Viertel etwas abgerieben, was auf den ersten Blick kaum auffällt. Es ist ein durchdachtes No-Nonsens Gerät, das die seinerzeit üblichen Funktionalitäten aufweist und darüber hinaus einige sinnvolle Details, wie zB Equalizer Subsonic Filter, -14 dB Muting, DC/low cut operation (2 Hz), zwei Phono Eingänge mit je zwei Möglichkeiten zur Impedanzanpassung (capacitance low/high and resistance 47kΩ/27kΩ) und auftrennbare Vor- und Endstufe. Solche Features waren damals nur hig-end Geräten vorbehalten.

Das Innenleben war ungewöhnlich stark verstaubt und ich konnte keine Hinweise auf Fremdeingriffe feststellen. In der Endstufe waren noch die Original-Leistungstransistoren mit identen Chargennummern verbaut! Nach der üblichen Erstprüfung habe ich den Verstärker in Betrieb genommen: Das LS-Relais zieht an, alle Lämpchen leuchten, der DC-Offset lag rechts bei +2,6 mV und links bei -17,6 mV und es war keine übermäßige Wärmeentwicklung zu verzeichnen. Also soweit alles ok. Im Hörtest hat sich gezeigt, dass Volume-, Balance- und Tone- Control Regler kratzen aber grundsätzlich funktionieren. Ebenso funktionieren alle Druckschalter, teilweise jedoch mit Kontaktproblemen. Steht der INPUT SWITCH auf „via tone“ spielt der rechte Kanal deutlich leiser als der linke, bei Stellung „direct“ spielen beide Kanäle gleich laut. Bei Betätigung des MUTING-Schalters auf „0 dB“ ist der rechter Kanal deutlich leiser als der linke, in der Stellung „-14 dB“ sind beide Kanäle gleich laut. Die erste Diagnose sieht also recht ermutigend aus, die technischen Restaurierungsarbeiten werden sich im Wesentlichen auf das „alle Potentiometer und Schalter Reinigungsprogramm“ beschränken können.


Dennoch werde ich das Gerät vollständig zerlegen, reinigen und schrittweise alle kritischen Bauelemente prüfen und ggf. ersetzten. Dabei hat sich folgendes gezeigt:

Die Isolierschläuche der beiden Entstörkondensatoren 0,01µF/450V waren sehr ölig – war hier bereits jemand mit Kontaktspray am Werk? Vorsichtshalber habe ich beide Kondensatoren ersetzt.

Die Prüfung der vier großen Sieb-Elkos hat ergeben, dass nur mehr drei Elkos in akzeptablem Zustand waren. Also habe ich aus den drei guten Elkos die besten zwei ausgewählt und wieder in das Gerät eingebaut; die übrigen zwei Elkos wurden gegen neue ersetzt.

Zwei Sicherungswiderstande mit je 3,3 kΩ wiesen Anzeichen von Überhitzung auf, die Widerstandswerte waren jedoch in Ordnung. Um einen vorzeitigen Ausfall vorzubeugen habe ich sie durch gleichwertige Typen ersetzt und dabei die Anschlußdrähte zur besseren Wärmeabfuhr länger belassen.      

 

Alle 6,3 V Elkos wurden prophylaktisch gegen neue Elkos mit höherer Spannungsfestigkeit getauscht.


Die RCA Eingangsbuchsen wurden gereinigt und mit Polierpaste auf Glanz gebracht.

Das LS-Terminal wurde vollständig zerlegt und gereinigt.

Es wurde ein neues LS-Relais eingebaut. Da für das alte Relais kein exakt passender Ersatz mehr aufzutreiben war, mußten die Bohrungen und Lötpads auf der Platine entsprechend angepaßt werden. Dazu habe ich rund um die Leiterbahnen jeweils passende dünne Cu-Bleche eingelötet.

 

 

Der 2-polige Netzschalter wurde zerlegt, gereinigt und die Kontakte mit Polfett konserviert. Für vier Kleinsignal-Transistoren in der Vorstufe habe ich jeweils ein kleines Kühlblech verbaut.


Erneuerung der kleinen roten Sonder-LEDs für Operation und Input Switch und Reinigung aller Potis.

 

Zerlegen, Reinigen und Konservieren aller Dreh- und Kipphebelschalter.     

 

Umstellung der Betriebsanzeige von Glühlampe auf weiße LED an die 8,4 VAC Stromversorgung (Diode mit 220 Ω Vorwiderstand und 1000µ/25V Elko).

·        Nach all diesen Maßnahmen wurde das Gerät wieder zusammengebaut und die Ruheströme wurden lt. Service Manual eingestellt, ebenso wurde der DC-Offset auf < 1 mV je Kanal eingestellt. Abschließend erfolgte eine ausgiebige und sehr zufriedenstellende Hörprobe. 

 


Zusammenfassend kann ich folgendes Resümee ziehen:

Nach gut 35 Stunden reiner Arbeitszeit präsentiert sich der Technics SU-8080 mit einem sehr sauberen und angenehmen Klang, immer mit ausreichend Leistung. Alle Regler funktionieren ohne akustische Störungen, der Loudness-Schalter hebt nur die Bässe an. Insgesamt besticht der Verstärker mit solider Haptik und einem massiven mechanischen Aufbau, der Volume-Knopf ist aus massivem Aluminium (und schwerer als bei Accuphase Geräten). Was mich sehr beeindruckt hat und was ich bisher noch nie gesehen habe ist, dass alle Blechteile eine eingestanzte Typenbezeichnung aufweisen und die Front aus einer massiven Aluminium-Druckgußplatte (!) besteht.

Auf HiFi-Wiki habe ich folgendes Zitat gefunden, dem ich nichts hinzufügen kann: „Der Technics SU-8080 ist ein oft unterschätztes und wenig beachtetes Gerät, aber mit der verbauten Technik und dem Aufbau mit separaten Netzteilen mit Doppel-Mono Aufbau, ein echter Geheimtipp. Wenn er überholt ist und man seine volle Kapazität zu spüren bekommt, weiß man, wieviel Innovation die Ingenieure in ihre Arbeit gesteckt haben“.

Als kleiner Wermutstropfen muß ich jedoch auch festhalten, daß der Balance-Regler bei Betätigung ein leichtes haptisches Kratzen auf weist, was wohl durch die Befestigung des Potis mittels Überwurfmutter hervorgerufen wird und nicht eliminiert werden kann (hat keinen Einfluß auf den Klang). Wird der Input Switch Kipphebel nach oben in die „direct“ Position geschalten, setzt trotz sorgfältiger Reinigung der Kontakte der linke Kanal aus. Um beide Kanäle durchzuschalten, muß der Kipphebel leicht nach unten bewegt werden.


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