Kenwood KA-3500

Reparatur Kenwood KA-3500

In diesem Beitrag stelle ich den kleinen, aber feinen Kenwood KA-3500 vor. Dieser Verstärker muß in den Siebziger-Jahren sehr populär gewesen sein, weil er selbst heute noch relativ häufig und zu moderaten Preisen erhältlich ist. Mit etwas Glück findet man gut erhaltene Exemplare, die es allemal wert sind restauriert und im Home HiFi Bereich verwendet zu werden. Der Verstärker weist die seinerzeit übliche Schaltungsarchitektur mit den ebenfalls üblichen Funktionalitäten auf. Als Besonderheit weise ich auf den Phono Equalizer hin, der als Differenzverstärker mit FET realisiert wurde, was in dieser Klasse nicht überall üblich war. Im Gegenzug wurde – wohl aus Kostengründen – auf ein LS-Relais verzichtet. Der KA-3500 wurde zwischen 1975 und 1977 hergestellt, wiegt 7,8kg und leistet 2x40 W an 8 Ω. Der Neupreis lag damals bei 600,-DM bzw. 160 US-$ (Bild unten Vergleich Kenwood KA-3500 mit KA-1500).


 

Als das Gerät zu mir kam, hatte ich nur sehr wenig Information über dessen Zustand. Mir wurde vorab mitgeteilt, dass der Regler bei der Balance und der Druckknopf für den Tuner Input fehlen. Unter Spannung soll das Gerät leuchten, ob das Gerät tadellos funktioniert, konnte allerdings nicht gesagt werden. In meiner Erstbefundung konnte ich feststellen, dass das Gerät innen stark verstaubt war und im Gegensatz zur ursprünglichen Info der Balanceregler doch vorhanden war! Weiters war sofort erkenntlich, dass im Bereich der Siebelkos und des Brückengleichrichters unsachgemäß herumgebastelt wurde. Einer der Siebelkos wurde schon einmal ausgetauscht, dabei wurde weder auf die erforderliche Kapazität, noch auf die korrekte Spannungsfestigkeit geachtet. Anstelle des originalen „Chemi-Con“ Elkos mit 6.800 µF/42V wurde einfach ein unpassender „Antel“ Kondensator mit 10.000 µF/35V eingebaut. Kurios war auch, dass ein paar Widerstände im EQ unsachgemäß abgezwickt und wieder eingelötet wurden; den Grund dafür werde ich wohl nie erfahren, auf Klang und Funktion hat dies jedoch keinen Einfluß. Auf der Platine und an den elektronischen Bauelementen waren keine Anzeichen für übermäßige Erhitzung zu erkennen.

  


Beim Ausbau der Siebelkos und des Brückengleichrichters habe ich festgestellt, dass hier die Lötpads stellenweise abgerissen sind und sich bereits vom PCB gelöst haben. Für den getauschten „Antel“ Elko war ein Loch in die PCB gebohrt worden, das später aber nicht benutzt wurde, die Beine des Brückengleichrichters wurden dazu stark verbogen. Alle Lötpads waren stark zerkratzt und die Lötarbeiten in minderer Qualität ausgeführt: kurz ein einziger Pfusch, der selbstverständlich behoben werden muß! Der „Antel“ Siebelko hatte eine Restkapazität von nur noch 7.500 µF und beim Schütteln des Elkos scheppert es im Inneren, wie wenn etwas darin lose herumkollert: Der Elko war vollkommen ausgetrocknet!

Der Brückengleichrichter war noch in Ordnung und wurde somit nicht erneuert. Obwohl der eine Original „Chemi-Con“ Siebelko mit 7.000 µF noch mehr als die Nennkapazität aufwies, habe ich ihn mitsamt dem „Antel“ Elko gegen zwei „Rubycon“ 8.200 µF/50V – die ich noch irgendwoher übrig hatte - ausgetauscht. Die abgelösten Lötpads im Bereich der Siebelkos und des Brückengleichrichters habe ich durch passgenaues „Aufdoppeln“ mit Cu-Bahnen repariert.

  

Die Endstufentransistoren 2SB618 und 2SD588 von NEC sahen noch sehr gut aus und befinden sich offensichtlich noch im Originalzustand.

Wie üblich habe ich alle PCB und den Trafo ausgebaut und gereinigt. Ebenso alle Knöpfe an der Front und auch das Chassis gewaschen und gereinigt. Potis und Speaker Selector wurden ebenfalls ausgebaut und gereinigt. Der Speaker Selector funktioniert jetzt tadellos, jedoch nur in A und B Stellung, die A+B Stellung funktioniert trotz präziser Reinigung aus unbekanntem Grunde leider nicht.

Da die LED Betriebsanzeige nur mehr eine sehr geringe Leuchtkraft aufwies, habe ich sie auch gleich erneuert.

 

Um die Kabelführung der Spannungsversorgung zu vereinfachen, habe ich im Zuge des Zusammenbaues den Trafo fix auf 240 VAC Netzspannung umgestellt. Dazu habe ich den Voltage Selector an der Rückseite entfernt und intern die beiden 120 V Primärwicklungen des Trafos in Serie geschaltet. Ein 120 VAC Netzanschluß ist für Europa onehin sinnlos.

 

Zu guter Letzt habe ich noch einige wenige kalte Lötstellen nachgelötet.

Nach dem provisorischen Zusammenbau konnte der Verstärker in den Probebetrieb genommen werden. Zuerst alle Hauptspannungen prüfen und den Ruhestrom korrekt lt. Service Manual einstellen. Die Prüfung des DC-Offsets zeigte allerding inakzeptable große Unterschiede zwischen linkem (-120 mV) und rechtem (-65 mV) Kanal. Die Ursache des großen DC-Offsets lag bei den Eingangs-Transistoren, die als Differenzverstärker am Eingang des Main Amps geschalten sind. Die Transistoren waren mehr oder weniger „leck“, was bei einem Gerätealter von 50 Jahren schon mal passieren kann. Durch Ersatz der Original Transistoren durch geeignete Ersatztypen, konnte dieses Problem rasch behoben werden. Der DC-Offset konnte dadurch im linken Kanal auf -27 mV und im rechten Kanal auf -23 mV reduziert werden. Das sind zwar keine berauschend guten Werte, insgesamt aber noch akzeptabel und im üblichen Rahmen. 

  

Nach erneutem Einstellen des Ruhestroms arbeitet der Verstärke nun zufriedenstellend. Das Gerät wird im Betrieb wenig warm, alle Drehregler funktionieren und weisen eine gute Haptik auf. Der Klang ist überraschen sauber und kontrastreich. Eine abschließende Leistungsmessung zeigt ca. 2x35 W an 6,8 Ω. Als einziges Manko verbleibt der etwas filigran ausgefallene Speaker Selector, der aus unerklärlichen Gründen den gleichzeitigen Betrieb von zwei LS-Gruppen nicht ermöglicht. Ansonsten ist der Verstärker ein Klassiker und wird noch weitere 50 Jahre seinen Dienst tun ;-)

 
 
  






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