Downfire-Hornlautsprecher Sonido und SEAS

 Exponentialhorn H1000/65 L210 mit Sonido und SEAS Breitbandlautsprechern

Nach erfolgreicher Umsetzung meines Exponentialhorns E840/95 L135 das mit dem Markaudio Pluvia 11 Breitbänder bestückt war, wollte ich nun ein weiteres Horn bauen. Den Fokus habe ich dabei auf hohe Musikalität, (noch) wohnraumtauglicher Größe, minimalem Materialverbrauch und der Verwendung von Bauteilen aus europäischer Produktion gelegt. Für den Treiber fiel die Wahl vorerst auf den 6“ Breitbänder Sonido SFR175A, der in Ungarn hergestellt wird und sich hervorragend für eine Hornkonstruktion eignet. Später hat sich dann auch der sehr gute SEAS Breitbänder FEA18RCZ H1794-08 (Made in Norway) dazugesellt.



Bei der Gehäusekonstruktion handelt es sich im Grunde um ein Exponentialhorn, diesmal jedoch mit hyperbolischem Hornverlauf (das „H“ in der Typenbezeichnung H1000/65 L210 steht für „hyperbolisch“). Der Realanteil des Strahlungswiderstands ist bei einer hyperbolischen Hornöffnung sehr hoch, was einen großen Wirkungsgrad bei niederen Frequenzen zur Folge hat. In der Theorie sind hier die Verzerrungen jedoch etwas größer als beim klassischen exponentiellen Hornverlauf. In Anbetracht des großen Wirkungsgrades des Sonido Treibers und den Besonderheiten einer Hornkonstruktion im Allgemeinen, kann dies für private Anwendungen im Wohnzimmer problemlos in Kauf genommen werden. Zudem treten diese Verzerrungen eher bei tiefen Frequenzen auf, was in Anbetracht des Raumeinflusses (Raumakustik) praktisch keine Rolle spielt.

Das Gehäuse ist als Standlautsprecher mit Horn-Abstrahlung nach unten („down-fire“) und so materialeffizient wie möglich konzipiert. Die Besonderheit dieser Konstruktion besteht darin, daß die Druckkammer samt Treiber als unabhängige und separate Einheit auf das Horn aufgesetzt wird. Damit ist es möglich, verschiedene Lautsprecher-Druckkammer-Systeme mit ein und demselben Horn zu testen bzw. zu vergleichen. Solche Vergleiche haben mich schon immer interessiert und sind der Grund dafür, daß ich das Horngehäuse auch mit dem SEAS Breitbänder getestet und bewertet habe.

Die Polklemmen sind an der Rückwand der Druckkammer angeordnet, in der erforderlichenfalls auch eine Frequenzweiche untergebracht werden kann. Um in der Druckkammer stehende Wellen so weit als möglich zu vermeiden, habe ich sie als trapezförmiges Prisma mit inwendiger Schräge aufgebaut.

Da ich den Materialeinsatz und damit auch das Gesamtgewicht so gering wie möglich halten wollte, mußte sich die Gehäuseästhetik der Konstruktion unterordnen. Bei genauem Hinschauen kann der prinzipielle Hornverlauf dem Gehäuse bereits von außen abgelesen werden („form follows function“).

Die Druckkammer mit dem Breitbänder ist in einer Höhe von 1,28 m positioniert, die Treiberachse ist horizontal ausgerichtet. Dies ermöglicht sowohl in einer aufrechten Sitzposition (H 120 cm), als auch in stehender Position noch einen guten Höreindruck. Um eine individuelle Feinjustierung der Schallachse bzw. Neigung der Schallwand zu ermöglichen, ist das Gehäuse auf vier justierbaren M10-Stellfüßen aufgeständert.

Das Gehäuse ist grundsätzlich aus verschieden starken MDF-Platten aufgebaut. Um die Dämmung des Gehäuses zu verbessern und die hyperbolische Hornkontour an kritischen Stellen sicherzustellen, habe ich punktuell Weichfaserplatten angebracht. Zur Glättung des Hornverlaufs sind in den Hornkehlen ebenfalls Weichfaser-Brettchen angeordnet. Die Rückwand habe ich an zwei ausgewählten Stellen mit MDF Steifen stabilisiert.

Die Gehäuse wurden mit Adler 1K-PU Lack „Havanna 13“ lackiert (1xHaftgrund, 1xGrundierung, 2x Deckanstrich). Dieses System hat sich bereits beim Vorgängermodell gut bewährt.

Ausgangspunkt meiner Überlegungen war der 17 cm Breitbänder SFR175A von Sonido, der sehr gute Kritiken aufweist und speziell für „backloaded horns“ gut geeignet ist. Der Frequenzverlauf steigt zum Hochtonbereich stetig an und fällt unterhalb von 100 Hz deutlich ab; mit seiner relativ hohen Resonanzfrequenz von 53 Hz und seiner geringen Gesamtgüte von 0,22 ist das Chassis damit sehr gut für den Einsatz in ein Horngehäuse geeignet.

Die Mundfläche wurde mit 1000 cm² festgelegt, für einen max. Wirkungsgrad wurde die Halsfläche AH mit 65 cm² gewählt, d.h. AH/Sd 50%. Die Hornkanallänge L wurde mit 2,10 m gewählt. Diese Kennzahlen spiegeln sich auch in der Typenbezeichnung H1000/65 L210 wieder.

Ein Horn mit hyperbolischem Hornverlauf öffnet sich anfangs deutlich langsamer als ein vergleichbares Horn mit exponentiellem Verlauf. Dies erfordert besondere Rücksichtnahme bei der Planung des Gehäuses. Erst durch den hyperbolischen Hornverlauf kann ein einfach gefalteter Hornkanal in zwei Ebenen relativ einfach realisiert werden; dies war mit ein Grund, weshalb ich mich für ein hyperbolisches Horn entschieden habe.

Gehäuseaufbau

Die Besonderheit des Gehäuses besteht darin, dass der Querschnitt des Hornkanals nach dem ersten Viertel symmetrisch aufgeteilt wird und nach dem zweiten Viertel wieder in einem gemeinsamen Kanal vereint wird. Die erste Hälfte des Hornkanals verläuft in Ebene I parallel zur Frontplatte des Gehäuses, die zweite Hälfte erstreckt sich in Ebene II entlang der Rückwand bis zum Boden. Dies ermöglicht in der oberen Gehäusehälfte eine sehr geringe Konstruktionstiefe und eignet sich besonders für den hyperbolischen Hornverlauf, bei dem sich der Querschnitt anfangs relativ langsam erweitert. Für den Aufbau des Rohgehäuses wurden 16 und 12 mm MDF-Platten verwendet. Um Gewicht zu sparen und gleichzeitig eine wirksame akustische Dämpfung zu erzielen, wurde die Hornkontur dem hyperbolischen Verlauf mit Weichfaserplatten bestmöglich angeglichen. Ebenso wurden die Hornkehlen aus Weichfaserplatten polygonal ausgebildet. Um eine möglichst schwingungsarme Konstruktion zu erzielen, wurden die Mittel- und Rückwand des Gehäuses mit je einer Steife verstärkt.

 




Die auf das Gehäuse aufgesetzte prismatische Druckkammer wurde aus 16 mm MDF-Platten hergestellt. Um das Volumen der Druckkammer so gering wie möglich zu halten und um stehende Wellen weitestgehend zu vermeiden, wurde der Grundriss trapezförmig gewählt (die beiden Seitenwände stehen nicht parallel zueinander) und wurde inwendig ein 45° geneigter Keil aus Weichfaserplatten zwischen Deckel und Rückwand eingebaut. Bei den akustischen Messungen hat sich sehr schön gezeigt, daß es zu keinen stehenden Wellen in der Druckkammer kommt! Die Druckkammer wird mittels M8-Gewindestangen und Rändelmuttern dicht auf das Horngehäuse „aufgeschraubt“. Diese Art der Befestigung ermöglicht jederzeit einen einfachen und raschen Zugang zum Treiber, zur Weiche und zu den Polklemmen. Gleichzeitig können damit auch verschiedene Druckkammern mit unterschiedlichen Treiben am Horngehäuse betrieben und getestet werden.

 







Elektro-Akustische Messungen

Bereits im Rohbauzustand habe ich die Hornlautsprecher provisorisch in Betrieb genommen und erste elektro-akustische Messungen durchgeführt. Dadurch gewinne ich einen ersten Höreindruck und der meßtechnisch ermittelte Frequenzverlauf gibt Aufschluß über die „technischen Daten“ bzw. die „technische Charakteristik“ des Lautsprechers, wie zB Schallpegel und grundsätzlicher Impedanzverlauf. Dadurch kann ich noch in der Bauphase des Lautsprechers auf ein paar Dinge Einfluß nehmen, wie zB Ausrundungen, Aussteifungen und den Einbau von Dämpfungsmaterial. Sämtliche elektro-akustischen Messungen führe ich mit der Software REW V5.31.2, dem Audiotreiber ASIO4ALL und noch ein paar anderen Geräten (Audio Interface, Meßmikrofon, Audioverstärker, Schallpegelkalibrator, etc) durch.

Nach der Fertigstellung der Horngehäuse wird der Breitbandtreiber eingebaut und es folgen ausgiebige elektro-akustische Messungen und Hörsitzungen zur finalen Feinabstimmung. Dabei führe ich immer nur kleine Änderungen am Gesamtkonzept durch, um so den Effekt der jeweiligen Maßnahme möglichst objektiv beurteilen zu können. Am Ende hat sich (für mich) herausgestellt, dass die Lautsprecher mit 14 g Dämpfungsmaterial im ersten Viertel des Schallkanals am besten klingen und damit auch ein übermäßiger Impedanzanstieg im Tiefbassbereich wirkungsvoll unterbunden wird. Da der Sonido bei etwa 9 kHz eine deutliche Pegelüberhöhung aufweist, habe ich diese mit einem Sperrkreis auf ein vernünftiges Maß reduziert.

Klangbeschreibung und Höreindruck

Da Klangbeschreibungen immer schwierig, subjektiv und für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind, versuche ich hier im Wesentlichen Klangunterschiede zu meiner Fostex FE168ES in E840/140 L280 herauszuarbeiten. Gelegentlich habe ich auch die Visaton B100 E600/28 L190 für den Klangvergleich herangezogen.

Die Sonido SFR175A H1000/65 L210 sind stets präsent und klingen insgesamt sehr transparent und betonen tendenziell den Mittel-Hochtontonbereich, der sehr schön, glockenhell und detailreich wiedergegeben wird. Die Lautsprecher erzeugen ein präzises, hoch auflösendes und klar umrissenes Klangbild, einzelne Instrumente und insbesondere Gesangsstimmen werden sehr fein gezeichnet und klar herausgeschält. Die Wiedergabe des Hochtonbereichs ist kristallklar und sehr detailliert. Bei manchen Einspielungen werden die Becken fantastisch transparent und zart-klingend wiedergegeben. Der Bass ist etwas zurückhaltend aber stets präsent, klar konturiert, sehr trocken und immer ausreichend tief. Je nach Aufnahmequalität und Aufstellung der Lautsprecher kann eine geringfügige Anhebung der Bässe durch das Klangregelnetzwerk am Verstärker vorteilhaft sein.

 





Der Klang der SEAS FEA18RCZ H1794-08 ist im Tieftonbereich kräftiger als bei den Sonido, jedoch sind die Mitten und der Präsenzbereich etwas zurückhaltender, was auf die Pegelabsenkung von rd. 4 dB zwischen 4 und 7 kHz zurückzuführen ist. Im Brillance Bereich legt der SEAS wieder deutlich zu und präsentiert die Höhen überaus klar und transparent. Insgesamt spielen die SEAS mit druckvollem Bass bei etwas zurückhaltendem Mittelhochtonbereich, was im Vergleich zu den Sonido einen etwas weniger explosiven Klangeindruck vermittelt. Selbst bei sehr großen Lautstärken lässt der SEAS nur geringe Membranauslenkungen erkennen! Die Wiedergabe von Sprechstimmen klingt natürlich und nicht unangenehm. Bei längerem Hören der SEAS vermisse ich den sehr direkten Eindruck, den die Sonido und die Fostex vermitteln können; auch ist mir der Bass etwas zu präsent (dies könnte mit etwas mehr Dämmwolle noch optimiert werden).

Bitte beachten Sie bei (meinen) Klangbeschreibungen immer, daß es sich dabei um persönliche und damit äußerst subjektive Eindrücke handelt. Auch haben andere Faktoren großen Einfluß auf das Hörerlebnis, wie zB Aufnahmequalität der Signalquelle, Raumakustik, Tagesverfassung und die individuelle Geschmacksrichtung.

Nachtrag
Seit gut 3 Monaten höre ich Musik praktisch nur noch über das Horn mit den Sonido SFR175A. Während dieser Zeit habe ich natürlich immer wieder Vergleiche mit meinen Fostex durchgeführt. Als Fazit habe ich für mich festgestellt, dass die Sonido SFR175A H1000/65 L210 die bislang besten Lautsprecher sind die ich je gebaut, gehört und besessen habe. Ich denke das liegt in erster Linie am großartigen Sonido Breitbänder, der durch die Hornkonstruktion in kongenialer Weise unterstützt wird. Das Gespann klingt für mich ausgesprpochen homogen und detailreich. Und es ist wohl gerade diese Homogenität, die den besonderen Reiz für mich ausmacht. Ich habe leider schon viele Lautsprecher gehört, die im ersten Moment sehr eindrucksvoll geklungen haben. Bei genauem und besonders bei längerem Hören, stellt sich jedoch häufig ein unangenehmes und manchmal auch aufdringliches Klangbild ein, das auf Dauer nervtötend ist. All das finde ich bei der Sonido nicht. Die Sonido kann man stunden und tagelang hören, ohne dass ein unangenehmer Klangeindruck entsteht.